Die Idee

Kreuz tragen

Die Passionszeit neu erfahrbar machen – dieser Gedanke liegt der Sodener Passion zugrunde. Die Passionszeit zu erfahren als Chance, sich den schwierigen Seiten des eigenen Lebens zu stellen, sich ihnen bewußt zu stellen: darum geht es.

Um dies zu ermöglichen, soll die Passionszeit selbst zunächst einmal bewußt gemacht werden: als Zeit, die in der kirchlichen Tradition der Betrachtung des Leidensweges Jesu Christi gewidmet ist. Und in der der Weg Christi und die eigenen Lebenswege miteinander in Beziehung gesetzt werden. So können in der Betrachtung des Kreuzes Christi die eigenen Kreuze wahrgenommen werden. Der Blick auf das Kreuz Christi hilft, mit eigenen Kreuzen umzugehen, sie zu tragen, ohne unter ihnen zu zerbrechen.

Es ist uns wichtig, daß dafür auch in der Öffentlichkeit Raum ist, damit nicht jeder sich mit seinen Kreuzen alleine gelassen fühlt, sondern daß er weiß: Da sind auch noch andere, denen es ähnlich geht, da sind andere, die auch zu tragen haben, die auch schwer zu tragen haben, schwerer vielleicht als ich.

Dazu ist es nicht nötig, daß jeder öffentlich sein Innerstes preisgibt: Das Kreuz Christi bietet sich als Projektionsfläche für eigenes Leid an. Und indem wir dieses Kreuz ausstellen oder es von einem Ort zum anderen tragen, es gemeinsam tragen, tragen wir unausgesprochen auch gemeinsam an dem, was jeden von uns persönlich bewegt. Wer möchte, der kann sich so ermutigt fühlen, konkreter von dem zu sprechen, was ihm wichtig ist. Und wer dies nicht möchte, der weiß sich mit dem, was ihn bewegt, im Kreuz Christi aufgehoben.

Die Passionszeit ist die älteste zusammenhängende Zeit im Kirchenjahr – als Fastenzeit reichen die Wurzeln zurück bis ins 2. Jahrhundert. Die Sodener Passion will eine Plattform für die Auseinandersetzung mit den Zweischneidigkeiten des Lebens bieten. Als Logo der Sodener Passion haben wir das Sodener Stadtwappen gewählt, ans Kreuz des Reichsapfels ist aber der Kruzifixus geheftet. Das Stadtwappen zeigt: Das Kreuz hat seinen Platz in der Öffentlichkeit.

Pfarrer Dr. Achim Reis